
Plakatdesign: Fons Hickmann

Wir sind Designing Democracy.
73 Kreative, 29 Länder, eine Frage.
Plakatausstellung »DEMOGRAZIE – Designing Democracy«
Ein Abend über Mut, Kreativität und Veränderung. Kuratorin Mansoureh Rahnama zeigt Kurzfilme und kommt mit euch ins Gespräch.
Donnerstag, 27. August 2026 | 18.30 Uhr
Stadtbibliothek Ribnitz-Damgarten
Die Ausstellung erzählt eine Geschichte über Mut, Kreativität und Veränderung – und zeigt, wie Kunst Räume für Austausch öffnen und Demokratie sichtbar machen kann.
In einer Welt voller Herausforderungen und Spaltungen ist es wichtiger denn je, über Demokratie zu sprechen. »DEMOGRAZIE – Designing Democracy« ist politisch, provokativ, reflektierend und zugleich praxisorientiert. Diese Initiative lädt ein, demokratische Werte sichtbar zu machen und neue Wege zu finden, sie zu stärken.
„Die Demokratie ist unser kollektives Gewissen gegenüber allem, was böse und falsch ist“, sagt Bestsellerautor Amir Kassaei. „Das Thema ist von großer Bedeutung, und ich unterstütze es von ganzem Herzen“, schreibt Fons Hickmann, ein angesehener Grafikdesigner, der für seine kulturellen und sozialen Themen in der Designwelt bekannt ist. „Für mich ist die moderne Demokratie wie ein Schiff mit gerafften Segeln“, ergänzt Peter Bankov, der in Prag lebende, preisgekrönte Designer.
Das Projekt »DEMOGRAZIE – Designing Democracy« lädt weltweit Designer und Kreative dazu ein, Demokratie neu zu denken und visuell zu gestalten. Das Plakat »DEMOGRAZIE« von Raban Ruddigkeit, dem renommierten Berliner Designer und Autor, ruft symbolisch dazu auf, frischen Wind in die Segel der Demokratie zu bringen.
Logodesign: Raban Ruddigkeit
Die Brücke, die keine Grenze mehr ist
Stellt euch vor, ihr steht auf einer Brücke. Unter euch ein Fluss. Er sieht harmlos aus. Träge, unauffällig, als hätte er nie etwas anderes getan als zu fließen.
Aber das stimmt nicht. Jahrhundertelang war dieser Fluss eine Wunde. Auf der einen Seite Mecklenburg, auf der anderen Pommern. Zwei Städte, zwei Herrschaften, zwei Namen, Ribnitz und Damgarten, die sich über sechs Jahrhunderte hinweg ansahen, ohne eine Stadt zu sein. Erst 1950 hörte die Trennung auf, auf dem Papier zumindest. Was auf der Landkarte einfach aussieht, war es nie.
Man könnte sagen, diese Stadt hat geübt. Geübt, Unterschiede auszuhalten. Geübt, aus zwei Dingen eins zu machen, ohne dass eines davon verschwindet. Geübt, mit Grenzen zu leben, und irgendwann zu lernen, dass man sie auch anders denken kann.
1323 gründete ein Fürst hier ein Kloster für Klarissinnen. Es überstand Kriege und Reformation und wurde am Ende etwas völlig anderes, als wofür es gebaut war, ein evangelisches Damenstift, dort, wo einst katholische Nonnen lebten. Nichts an diesem Ort blieb, was es einmal war. Der Bahnhof, 1888, 1889, brachte die Welt näher, als sie vorher war. Man konnte jetzt wegfahren. Man konnte auch bleiben und trotzdem Teil von etwas Größerem sein.
Und dann kommt der Teil, den man nicht weglassen sollte, wenn man ehrlich über diesen Ort sprechen will. Die Rüstungsfabriken der Dreißigerjahre. Der Fliegerhorst in Pütnitz. Zwangsarbeit, die hier stattfand, nicht irgendwo. Eine Stadt kann Ort der Verständigung sein und gleichzeitig Ort gewesen sein, an dem Menschen zu Werkzeugen eines Krieges gemacht wurden. Beides ist wahr. Das eine löscht das andere nicht aus.
Nach dem Krieg kam eine neue Grenze, eine neue Ordnung. Sowjetische Streitkräfte in Pütnitz, bis weit über das Ende der DDR hinaus. Eine Stadt unter staatlicher Planung, in der Mitbestimmung ein Wort war, das man kannte, aber nicht leben durfte. Vierzig Jahre lang.
1989 änderte sich das. Nicht schlagartig, nicht vollständig, aber grundlegend. Die Stadt, die einst nicht selbst entscheiden durfte, begann es zu tun.
Man merkt es bis heute. Ribnitz-Damgarten wird von einer gewählten Stadtvertretung gestaltet, öffentliche Sitzungen sind offen, Gremien tagen sichtbar. Seit 2025 beteiligt sich die Stadt am Bundesprogramm „Demokratie leben!”, gefördert werden Projekte, die genau das versuchen, was diese Stadt selbst einmal lernen musste: Zusammenhalt stärken, Werte vermitteln, Menschen ins Gespräch bringen, die sich sonst vielleicht aus dem Weg gehen würden.
So betrachtet ist die Geschichte von Ribnitz-Damgarten mehr als eine Abfolge von Jahreszahlen. Es ist die Geschichte eines Ortes, an dem Grenzen entstanden und verschwanden, Herrschaften wechselten, Kriege kamen und gingen, zwei Städte getrennt existierten und schließlich zusammenwuchsen. Es ist eine Geschichte von Menschen, die immer wieder mit Veränderung umgehen mussten.
Und vielleicht liegt genau darin die Verbindung zur Demokratie und zum Frieden.
Das ist die Geschichte, in die die Ausstellung „DEMOGRAZIE – Designing Democracy” im September hineingestellt wird. Nicht als Kulisse, sondern weil die Frage, die die Ausstellung stellt, hier keine abstrakte Frage ist. Was hält eine Gesellschaft zusammen, die unterschiedlich ist? Das ist die Geschichte dieser Straßen.
Initiiert wurde das Projekt von Mansoureh Rahnama, Deutsch-Iranierin, die einen öffentlichen Dialog über die Werte der Demokratie fördern wollte. Nach über zwei Jahrzehnten in Deutschland erlebt sie das Land heute gespaltener denn je. Ungleichgewicht, Ungerechtigkeit, Eingriffe in die Meinungsfreiheit und die Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund bewegen sie dazu, über die demokratischen Prinzipien zu sprechen, die sie überzeugten, hier zu leben und zu arbeiten.
Sie wurde während der Organisation des Projekts mehrfach bedroht und diskriminiert. Nachrichten wie „sie soll nach dem Iran gehen und dort sich für Demokratie einsetzen” oder „sie soll verschwinden” erreichten sie.
Seit Dezember erlebt sie außerdem eine Reihe von Krisen in ihrem Heimatland Iran. Zunächst die Proteste gegen die katastrophale wirtschaftliche Lage, die Ende Dezember 2025 begannen und sich im Januar 2026 zuspitzten. Nach Recherchen von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International wurden dabei mehrere Tausend Menschen getötet, es war einer der tödlichsten Zeiträume staatlicher Repression im Iran seit Jahrzehnten. Am 28. Februar 2026 begann ein Krieg im Land. Bei einem der Angriffe wurde eine Grundschule für Mädchen in Minab getroffen, mindestens 168 Menschen starben, die meisten von ihnen Kinder.
Dazu kommt ein anhaltender wirtschaftlicher Druck von außen, der laut Mansoureh vor allem die untersten gesellschaftlichen Schichten trifft, während Eliten und ein Teil der internationalen Wirtschaft weitgehend unberührt bleiben.
Gerade in turbulenten Zeiten wie jetzt, in denen Kriege und Krisen die Welt verändern, ist es wichtiger denn je, über Demokratie als dieses wertvolle Gut zu sprechen. Es ist wichtig, über das Recht zu sprechen, das für alle gleich gelten soll. Menschenrechte dürfen nicht nach Hautfarbe, Religion oder Region gelten. Für eine Welt mit mehr Toleranz und Frieden müssen alle Menschen gleiche Rechte haben.
Sie schrieb dazu: „Was der Westen als Sanktionen bezeichnet, wirkt für die betroffene Bevölkerung wie ein Wirtschaftskrieg. Seit Jahren führt der Westen einen solchen gegen die Menschen im Iran. Er kommt Oligarchen und einigen internationalen Unternehmen zugute, während er der iranischen Gesellschaft schadet und zur Vernichtung der Mittelschicht beiträgt.”
Die Plakate oben, von links: Amir Kassaei, Zbigniew Latała, Fons Hickmann
»DEMOGRAZIE – Designing Democracy« leistet einen Beitrag dazu, diese Prinzipien zu stärken und kreative Lösungen sichtbar zu machen.
Eine einfache Antwort gibt es nicht. Auch die Ausstellung wird keine geben. 100 künstlerische Positionen aus 29 Ländern, entstanden aus dem Versuch, dort zu sprechen, wo Worte oft nicht mehr reichen. Bei der Eröffnung werden zusätzlich drei internationale Kurzfilme vorgeführt, drei Perspektiven aus drei verschiedenen Teilen der Welt auf das, was Demokratie heute bedeuten kann. Aus Platzgründen zeigen wir 20 der Plakate direkt vor Ort, die übrigen 80 sind online sowie digital in der Bibliothek zugänglich. Auch das ein kleines Sinnbild. Nicht alles passt gleichzeitig an einen Ort, und trotzdem gehört es zusammen.
Wer im September nach Ribnitz-Damgarten kommt, steht am Ende vielleicht selbst dort, auf der Brücke. Der Fluss fließt weiter, als wäre nie etwas gewesen. Man weiß es nur besser.
Die Ausstellung präsentiert eine inspirierende Sammlung von Plakaten, die von renommierten internationalen Designern entworfen wurden. Darüber hinaus werden einige Werke in unseren Social Media Gruppen »DEMOGRAZIE – Designing Democracy« (LinkdIn, Facebook, Instagram) geteilt, um einen aktiven Dialog über Demokratie anzuregen und die Initiative einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Eine Ausstellung »DEMOGRAZIE – Designing Democracy« – visionäre Plakate, die Demokratie sichtbar machen und den Dialog anregen.
DEMOGRAZIE – Designing Democracy
27. August – 22. September 2026
Stadtbibliothek Ribnitz
Im Kloster 4 | 18311 Ribnitz-Damgarten
Öffnungszeiten:
Mo / Fr 09.00 – 16.00 Uhr
Di / Do 10.00 – 18.00 Uhr
Sa 13.00 – 16.00 Uhr
Initiatorin & Kuratorin: Mansoureh Rahnama
Mitinitiator, Namensentwicklung & Logodesign: Raban Ruddigkeit
Plakatdesign: Fons Hickmann
Veranstalter: Stadtbibliothek Ribnitz in Kooperation mit THINKUP Editions & T.U.C e.V.
Eine Veranstaltung der Stadtbibliothek Ribnitz und Kunstverein Ribnitz-Damgarten in Kooperation mit der THINKUP Editions und THINKUP Connectivity e.V., gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern und das Projekt „Demokratie Leben!”
Wir bedanken uns herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern für ihre freundliche Unterstützung, ihr Vertrauen und ihren wertvollen Beitrag zur Realisierung dieses Projekts.
Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten, Kunstverein Ribnitz-Damgarten e.V., Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Demokratie Leben! Landes Zentrale für politische Bildung und Bibliothek Ribnitz- Damgarten
Weitere Informationen:
www.bibliothek.ribnitz-damgarten.de

